Sommelier René Antrag kostet Weninger

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Franz R. Weninger über René Antrag

Sein Arbeitsplatz: eines der 10 besten Restaurants der Welt. Sein Job: die perfekte Paarung von Wein und Essen zu finden. Über Print und Online ist mir René Antrag als junger, dynamischer Sommelier aufgefallen. Näheres Kennenlernen gab es bei meinem Geburtstagsessen im Steirereck im Stadtpark. Unser Tisch wurde von René bedient. Ich war gespannt auf die Weinbegleitung, um zu sehen wie der Sommelier tickt.

Es wurde ein wunderschöner Abend. René griff tief in die natural-biodynamische Schatzkiste. Alle Weine waren auf den Punkt gebracht und spiegelten die Klarheit des Essens wieder. Schön war auch zu sehen, dass er einer der wenigen Sommeliers ist, der aktiv Ungarn bereist und unbekannte ungarische Weine selbst für das Steirereck bezieht.

Verkostungsnotizen

von René Antrag

Gneisz & Csillám 2015

Der Wein wirkt im Glas ungemein transparent und strahlt ein zartes Rubinrot mit violetten Anklängen aus. In der Nase sehr verspielt. Die reifen Schwarzkirsch-Aromen, gepaart mit verführerisch floralen Anklängen erinnern an Flieder und Jasmin und wirken geradezu feminin. Die eher im Hintergrund gehaltene zart animalische Würze sorgt für zusätzliche Komplexität, die mit Luft feine balsamische Noten entwickelt.

Am Gaumen eher herzhaft und fleischig. Die reifen Schwarzkirschen und die tabakige Würze wirken am Anfang sehr fordernd. Während des Verkostens sorgen sehr feine florale Anklänge und ein animierender Säurebogen für viel Frische und Lebendigkeit. Die griffigen Tannine sorgen für viel Pikanz und vibrieren bis zum Ende.
Gesamt gesehen wirkt der Wein sehr kernig mit einer tollen Nervigkeit. Die Stoffigkeit ist dosiert, ohne überladen und zu konzentriert zu wirken. Beim Holzeinsatz wurde wieder einmal unglaubliches Gefühl unter Beweis gestellt. Der Wein gewinnt mit Temperatur. Ich empfehle ein Burgunder-Glas und bei ca. 16 Grad einzuschenken, sodass er die ganze Stärke und Komplexität ausspielen kann.

Hochäcker Blaufränkisch 2015

Im Glas ein kompaktes Rubinrot, das sich sehr dicht im Kern präsentiert. Die zarten violetten Anklänge deuten auf seine Jugend hin.
In der Nase etwas barocker und dunkelbeerig – gepaart mit einer zart reduktiven Ausstrahlung. Die animalischen Anklänge – man denkt an getrocknetes Fleisch – verleihen ihm eine sehr komplexe Struktur. Das etwas teerige und mit Temperatur dazukommende Zwetschkenconfit sorgt für eine gewisse Weichheit und Attraktivität. Am Gaumen wirkt er überraschenderweise sehr elegant und feingliedrig. Die eben- falls sehr reife Frucht erinnert an knackige Brombeeren und reife Schattenmorellen – und wirkt trotz der intensiven Aromatik sehr ansprechend. Die – der Kraft zum Trotz – spürbare Leichtigkeit dieses Weines kommt von dem sehr ausgewogenen Tanninbogen und der fokussierten Säurestruktur, die den Wein sehr authentisch für Blaufränkisch sprechen lässt. 2015 zeigt, dass der Wein eine gesunde Traubenreife hatte, sodass er mit viel Grip und Nervigkeit ausgestattet ist und viel Potential für die nächsten Jahre liefert.

Steiner 2012

Die Farbe wirkt sehr saftig – intensives Rubinrot und kompakter Kern. Schon in der Nase spürt man, was auf einen zukommt: Ausdruckskraft, Muskeln, pure Kargheit.

Er wirkt sehr maskulin mit einem zarten reduktiven Anklang, unterlegt aber mit animalischer Würze. Man wird verführt von reifen Aromen wie Brombeeren, aber auch von einem vegetabilen Hauch von Aronia-Beeren und Menthol. Fast opulent wirkende Kaffee-Aromen begleitet von etwas Süßholz, wenn da nicht noch die erfrischenden, frischgeriebenen Grapefruitzesten wären …
Der Gaumen wird von einer faszinierend kompromisslosen Art und Weise belebt und gefordert. Die Nase hat viel versprochen – ein Versprechen, das gehalten wird. Die fleischige Textur durch den kernigen, griffigen Gerbstoff wirkt belebend und lenkt den Stoff in die richtige Bahn – immer gerade aus. Die Säurestruktur wirkt vital und stets präsent, was den Spaßfaktor weiter anhebt. Die Aromen von Schwarzkirsche, Brombeeren und dem Hauch Menthol rücken völlig in den Hintergrund, weil die Faszination, was aus der von Schiefer geprägten Lage an Struktur dahinter herausgearbeitet wurde, überwiegt. Der Wein entwickelt sich besonders gut im Burgunder-Glas und zeigt, dass Vordergründigkeit hier deplatziert ist. Die zurückhaltenden aber ausdrucksstarken leisen Töne spielen hier die Musik. Beeindruckend!

Die Weninger Flaschenpost ist unser Weinabo. Dieses sorgt für den Genuss der von uns zusammengestellten Weine, inklusive der spannenden Kostnotizen unserer Gastautoren. Unsere Flaschenpost im Herbst wurde von René Antrag vorgestellt.

Foto: Philipp Horak

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