Simon Schubert

Written by Petra Gratzer-Weninger on the 8th of October 2019

Nach Stationen in der Wiener Spitzengastronomie (Palais Coburg, Mraz&Sohn), zeigt sich Simon Schubert seit Anfang 2018 für die Weinkarte im neu gegründeten Restaurant [ænd] verantwortlich. [ænd], Lautschrift für and, das englische „und“, steht für das Verbindende. Verbinden will das [ænd] Genuss und Entspannung, Gast und Gastgeber, Leidenschaft und Begeisterung. Letztere beide spürt man in jedem Fall auch in Simons Weinbeschreibungen, die er für die Flaschenpost verfasst hat. Bewusst hat er unsere Weine nach seinem Empfinden beim Kosten beschrieben, so wie er das auch im Restaurant macht. Wir hatten das Vergnügen, mit Simon vor wenigen Tagen bei der respekt-Einkehr einen entspannten Abend lang plaudern zu können. Zur “Einkehr” fahren wir Winzer der respekt-BIODYN-Gruppe jedes Jahr Anfang Dezember für drei Tage aufs Land zu interner Weiterbildung und kollegialem Austausch. Der Auftakt der heurigen Tage war eine Verkostung unter dem Titel “Verkosten mit Respekt - Individualität und Vielfalt”, die unter anderem von Simon Schubert moderiert wurde.

© Gerhard Wasserbauer

Verkostungsnotizen von Simon Schubert

Im Burgunderglas zeigte der Wein am besten seinen vielfältigen Charakter, unheimlich frisch und würzig! Ich rieche hinein und fühle mich auf einer Alm, im Sommer, irgendwo in den Bergen, Wiesenkräuter, frisch gemähtes Gras ein wenig Holunder. Nach anstrengendem Aufstieg eine kleine Jause, frisches Obst, Birnen, Apfel, eine Marille. Dazu die Aluflaschen am eisig kalten Gebirgsbach aufgefüllt! Der erste Schluck: Erlösung! Die Säure macht den Wein so frisch und jugendlich und ist dennoch nicht spitz, oder anstrengend! Die Birne kommt mir wieder in den Sinn, fruchtig aber vielleicht noch nicht ganz reif, der Gerbstoff, der noch nicht ganz reifen Schale zieht an den Lippen! Ewig anhaltendes Mundgefühl - schmatzen! Beim Verkosten nicht gespuckt, stattdessen intuitiv gleich das nächste Glas eingeschenkt! Was für ein Wein!

Mittelburgenland, Zweigelt… Nun ja, vermutlich nicht unbedingt der Wein, den ich hätte probieren wollen, oder gar bestellt hätte, wäre er nicht in dem Paket gewesen, das mir Franz zu Kosten überlassen hatte. Aber hallo… was für eine Überraschung! Intuitiv wieder das Burgunderglas hergenommen, eingeschenkt, Spannung! Gleich noch einmal nachgelesen, ob es sich hierbei wirklich um Rotburger handeln kann, aber ja, auch so geht Zweigelt! Keine unnötige Konzentration die eindickend wirkt, keine plumpe Kirschmarmelade, die man sich lieber aufs Frühstücksbrot schmieren möchte, als im Glas zu trinken. Stattdessen zurückhaltende, beinahe schüchterne Frucht! Der Charakter kommt hier durch die Würze! Feine, elegante Sauerkirsche, die sich mit rosa Pfeffer spielt, leichte Gewürznelke, ein wenig Graphit! Dann auch beim ersten Schluck nichts Plumpes, großartige Frische, feine, tänzelnde Säure, die eine Leichtigkeit verleiht, dass es eine Freude ist!

Das ist nicht mehr nur eindimensionales, besoffenes Grölen von Gabalier, in der Dorfdisco, das ist Nussknacker, die hohe Kunst des Balletts, in der Staatsoper!

Für mich ganz klar das Flaggschiff von Franz‘ Sortiment und wahrscheinlich, Jahr für Jahr, einer der besten Vertreter dieser Rebsorte! Beim vermeintlichen, so hochgepriesenen, „Jahrhundertjahrgang“ 2015 bin ich immer ein wenig misstrauisch, da ich leider in letzter Zeit auch sehr viele Weine probiert habe, die die Hitze nicht ganz so gut weggesteckt haben! Ich habe den Wein aufgemacht und erst einmal gute eineinhalb Stunden in der Karaffe nicht angerührt! Dann vorsichtig angetrunken… Was für ein Monument! Dunkle Beeren treffen einen mit voller Wucht, der Duft von erkaltendem Feuerholz im Kamin strömt aus dem Glas und plötzlich vernimmt man schon von irgendwoher das Zischen eines schönen Stückes Fleisch, das am Grill darauf wartet, zu diesem Wein verspeist zu werden! Der Gaumen zeigt dann deutlich wie jung der Wein noch ist und wie viele Jahre er noch vor sich haben wird! Großartige Säure und eine wunderbare Frische, bei dem Jahrgang-fantastisch…Genau diese Säure gibt dem Wein auch eine wundervolle Unbeschwertheit, trotz enormer Konzentration und Dichte! Die Tannine sind noch etwas kantig und das ist gut so, denn um das volle Potenzial dieses wunderbaren Weines auszuschöpfen, würde ich mindestens noch zehn Jahre warten!

Die Flaschenpost ist unser Weinabo. Dieses sorgt für den Genuss der von uns zusammengestellten Weine, inklusive der spannenden Kostnotizen unserer Gastautoren. Unsere Flaschenpost im Winter 2018 wurde von Simon Schubert vorgestellt. Er ist Sommelier im Restaurant [ænd] in Wien.

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