Zukunft des Weinbaus

Written by Franz Weninger on the 2nd of May 2024

Es fällt uns meist schwer, die Zukunft zu antizipieren, aber eines ist klar: Die Natur wird uns in den kommenden Jahrzehnten mehr abverlangen als bisher. Ob es Frost, Hagel, Hochwasser oder Trockenheit sind, werden wir nicht wissen können, aber wir müssen bereit sein für das, was kommt.

Daher ist die Züchtung in der Landwirtschaft seit Beginn der sesshaften Lebensweise ein integraler Bestandteil. Ob es sich um die Selection Massale im Weinbau handelt, bei der die besten Reben weiter vermehrt werden, oder um wie früher üblich der Saubär (Zuchteber).

Großmutter Rosa mit dem Zuchteber des Dorfes

PIWIs

Der Begriff kommt von "Pilzwiderstand", und es werden meist amerikanische pilzresistente Sorten mit europäischen Rebsorten gekreuzt. Ziel ist es, Sorten zu erzeugen, die den europäischen Geschmack haben, aber die Stabilität der amerikanischen Sorten besitzen. Das bedeutet nicht nur bei den Pilzkrankheiten, die aufgrund der Wetterbedingungen häufiger und schwieriger zu bekämpfen sein werden, in einem durchschnittlichen Jahr eine Reduktion von etwa 80% der Pflanzenschutzmittel. Auch gegen Trockenheit sind diese Sorten meist stabiler und schaffen es, tiefer und weiter zu wurzeln und somit besser zu wachsen. Die Nachteile liegen natürlich in der Natur einer Kreuzung: Das stärkere Wachstum bewirkt meist auch einen höheren Ertrag, den wir meist nicht wollen, da so ausdruckslose Weine entstehen, und bei einigen Kreuzungen wird auch das Aroma zu plakativ, das heißt, der Wein schmeckt zu laut, um von Weinliebhabern ernst genommen zu werden.
Oder, wie einst der ungarische Schriftsteller Béla Hamvas über die ersten amerikanischen Trauben ("Noa" - Uhudler) bei uns sagte:

Die Noa-Traube und die aus ihr gewonnene ätzende, stinkende, weinähnliche Flüssigkeit ist nichts anderes als der plumpe Versuch des Teufels, ebenfalls Wein herzustellen. Nie ist ein Versuch so sehr gescheitert! Noa ist der Wein der Puritaner, der Pietisten, der alten Jungfern und Hagestolze, der Wein der Raffgierigen, der Geizkragen, der Neider und Bösewichte. Ein Gesunder hält sich, wenn er ihn riecht, die Nase zu, und wenn er ihn kostet, beginnt er wie wild zu spucken und brüllt so lange, bis er den Mund mit einem ordentlichen Getränk ausspülen kann. Wie gesagt, der Teufel neidete dem Schöpfer sein Weinwerk und beschloß, gleichfalls Wein zu machen. In die Rebe tat er seine ganze gelbe Raffgier, Rachsucht, Gift und Galle, Frechheit, Grimassen, feige Niedertracht, feige Krüppelhaftigkeit, all sein plumpes Öl, und er machte sie unglaublich ertragreich. Tatsächlich liefern die Noa-Stöcke wenigstens zwanzigmal mehr Trauben als die edlen. Aber für wen? Für die Raffgierigen und Geizkragen, Hauptsache, es ist vielvielviel. *

Ich würde gerne wissen, was Béla Hamvas über die aktuellen PIWI Rebsorten oder unseren Souvignier Gris schreiben würde.

Spätestens, seit Bordeaux und Champagne PIWIs in ihren Sortenkatastern erlauben, ist klar, dass PIWIs nicht ein Trend sind, sondern bleiben werden.

Wir haben bei am Weingut 2021 die ersten Souvignier Gris Reben gepflanzt, da uns die Weine dieser Sorte am meisten beeindruckten. Die Rebsorte ist sowohl im Weingarten relativ gut zu bearbeiten und auch im Keller zeigt sie sich sehr einfach und dürfte zu unserer Art des Weinausbaus passen.
Die meisten, die unseren ersten Jahrgang 2023 bei uns im Keller verkosteten, meinten es sei Furmint. Er besticht durch eine präzise Säure und auch wie Furmint über eine sehr leise Frucht, die mehr durch unseren Ausbau (lange Hefelagerung) geprägt ist. Dabei etwas zugänglicher als unsere Furmints.
Weiterhin werden wir auf unseren besten Lagen Blaufränkisch und Furmint den Vorzug geben. Diese Sorten sind schon lange in unserer Region verwurzelt und zeigen unser Terroir am schönsten. Ob PIWIs je diese Ebene des Herkunftsausdrucks erreichen, das wird die Zeit weisen.

Gemischter Satz

Großvater Ludwig im Gemischten Satz

Reinsortige Weine und damit die Bedeutung von Rebsorten im Wein sind nicht so alt, wie wir vermuten. Es begann mit dem Riesling in Deutschland, wo viele Landesherren und auch Klöster das Anpflanzen von Riesling vorschrieben. Dieser Trend wurde dann im 19. Jahrhundert so groß, dass nach der Reblauskatastrophe auch das damals bedeutende Weinland Ungarn vom gemischten Satz auf reinsortigen Ausbau umstieg. Jahrhundertelang war der gemischte Satz sozusagen die Versicherung, dass in schwierigen Jahren doch eine der vielen Sorten Ertrag brachte. Als Kundeninformation/Marketing wurde damals, so wie heute noch in Frankreich üblich, die Herkunft kommuniziert. Somit war die Sorte am Etikett nicht wichtig. Wenn man feststellte, dass eine Sorte immer besser funktionierte, wurde diese im Gemischten Satz nachgepflanzt und so erhielt man resiliente Weingärten. Auf ganz logische, einfache Art.
Rein zufällig habe ich dies in einem unserer Weingärten probiert und eine Reihe Blaufränkisch zwischen PIWIs gepflanzt. Es war erstaunlich, wie auch die Reihe Blaufränkisch mit nur zwei Mal Pflanzenschutz im Jahr 2023 funktionierte. Es wird sicherlich nicht mein letzter Versuch in diese Richtung gewesen sein.

*aus: Béla Hamvas: Philosophie des Weins

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