Mara Feißt

Written by Franz Weninger on the 21st of March 2024

Mara lernte ich zuerst über Social Media kennen. Als sie mir dann während ihrer Sommelierausbildung eine Frage stellte, half ich gerne. Wir besuchten sie im Restaurant Kommod von Christina und Stephan Stahl und hatten einen wahnsinnig tollen Abend.
Obwohl wir Christina schon länger kannten, war es unser erster Besuch im Kommod und wir fühlten uns sehr wohl. Das sehr kleine Restaurant schafft eine ganze intime Atmosphäre, welche wir so in Wien nicht kannten. Mara mit ihrer offenen, unkomplizierten Art führte uns durch den Abend. Ende 2023 eröffneten Mara und Stephan gemeinsam das Café Azzurro. Weniger intim als das Kommod, aber sehr lebendig wirkt es, man trinkt und redet etwas lauter und die Stimmung ist belebt. Mara schafft es, klar und unkompliziert die Weine zu erklären und kann über jeden Wein/Winzer etwas erzählen.
Extra erwähnen muss ich die Krautfleckerl: schon seit Jahren koche ich diese selbst sehr gerne, aber die Version, die Stephan und Luis mit Kimchi machen war etwas Neues - und ich gebe zu, dass ich seither zuhause auch immer Kimchi-Fleckerl statt normaler Krautfleckerl mache. Wer mehr darüber wissen will: im Standard gibt es einen Bericht über die Geschichte der Krautfleckerl und auch über die Kimchi-Fleckerl.
Mara ist auch Teil vom female wine collective, welches die Frauen in der Weinszene ins Licht rückt. Wir freuen uns dass sie diesmal unsere Weine beschreibt.

Verkostungsnotizen von Mara Feißt

Nase rein, Augen zu. Ein herrliches feines Konglomerat an dunkler Würze, getrockneter Wiesenblumen, feuchtem Kalkstein und frischer Meeresbrise. Fast möchte man poetisch werden ob der schüchternen Zitrusfrucht- sind es eingelegte Kumquats oder herrliche Zesten einer Meyer Zitrone? Die Nuss ist hell und mandelförmig- warte, Haselnuss? Eine gelbe Birne rundet den tiefen Atemzug ab.
Den Gaumen umspielt die passende Textur - feiner Gerbstoff mit gekonnter Frische. Da passiert was im Mund, meine Backerl merkens auch - Säure elegant und wichtig - speichelfördernd, appetitanregend. Getragen wird der Geschmack von einer überraschenden Kargheit an Frucht und herrlich würzigen Komponenten. Ich denk ständig an diesen nassen Kalkstein, nach großer Trockenheit. Salz, Heu, Kamille und Sommer-Regen. Was essen wir dazu? Was frisches - vielleicht Labneh, Quitte und Räucherforelle.

„Pelure d’oignon“ klingt passender als: zwiebelschalenfarbig. Doch diese Couleur von saftigen Zwiebeln sticht mir bei diesem Tropfen ins Auge.
In der Nase eindrucksvoll facettenreich. Ist es Würze, ist es Frucht, sind das Kräuter? Ich denke an leicht gebrühten Hagebuttentee, Liebstöckel, wilde Preiselbeere und grüne Walnuss. Eine betörende Kombination an dunkel- frischer Würze und hellroter ernster Frucht. Irgendwie ist da auch was steinpilziges rosmarinartiges - mhhh! Schnell kosten!
Am Gaumen viele helle Beeren - rote Hollerbeeren, Hagebutten, saure Weichsel. Dann rote Apfelschale und Moro-Blutorange. Alles dezent und fein. Leicht ätherische Würze: bissi Rosmarin, wenig Liebstöckel und eine Prise Süßholz. Die Säure erfrischt und der Gerbstoff gibt Struktur. Ich esse dazu ein helles Wild-Paté mit Pilzen, Cranberrys und Bittersalaten.

Die Farbe ergreifend tiefgründig: hypnotisierendes Rubinrot wird gebrochen mit dramatischem Violett im Aubergine-Ton.
Die Nase bestätigt, was der Name am Etikett erahnen lässt - das ist was Großes. Betörende Ätherik trifft hier auf die eleganteste schwarz-blaue Frucht, die ich in meinem dunkel-beerigen Erinnerungssortiment abrufen kann. Neben Thymian, Rosmarin, Tannen-Nadeln rieche ich da dunkle reife Kirschen, Saft von der Brombeere, ernste Veilchenblüten und wieder den aufgeheizten Stein nach einem kurzen Sommer-Regen. Anklänge von Rauch und schwarzem Pfeffer sind hervorragende Nebendarsteller.
Der Geschmack ist konzentriert, fein und aktiviert alle Geschmacksknospen. Trotz der deutlichen Ätherik, all unserer schon erwähnten Kräuterfreunde und der am Gaumen bestehenden dunkel-beerigen Noten, bin ich in Gedanken bei dieser eleganten Kargheit und Frische dieses doch tiefgründigen Weines. Was da zusammenkommt schmeckt jetzt schon unglaublich, wird aber sicher, wenn man sich gedulden mag, in ein paar Jahren noch andere Seiten der Herrlichkeit zeigen. Der Gerbstoff fordert etwas deftiges, mit süßen Komponenten. Ich denke an eine mit Kräutern geschmorte Melanzani, dazu gibt’s ein Jus von wilden Brombeeren, der roten Rübe und schwarzem Pfeffer.

Die Flaschenpost ist unser Weinabo. Dieses sorgt für den Genuss der von uns zusammengestellten Weine, inklusive der spannenden Kostnotizen unserer Gastautoren.

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